Pilzinfektionen gehören zu den häufigsten, aber zugleich am wenigsten offen besprochenen Gesundheitsproblemen. Ob Nagelpilz, Fußpilz, Candida-Infektionen oder Hautpilze – viele Betroffene empfinden diese Erkrankungen als unangenehm oder schambehaftet. Gleichzeitig sind Pilzinfektionen oft hartnäckig und können trotz Behandlung immer wieder zurückkehren.
Neben klassischen antimykotischen Medikamenten rücken in den letzten Jahren auch pflanzliche Wirkstoffe stärker in den Fokus der Forschung. Insbesondere Cannabidiol (CBD) und Cannabigerol (CBG) aus der Hanfpflanze werden auf ihre möglichen antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften untersucht. Doch wie genau könnten CBD- und CBG-Öl bei Pilzinfektionen wirken – und was sagt die Wissenschaft dazu?
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Was sind Pilzinfektionen?
Pilze sind Mikroorganismen, die nahezu überall vorkommen – in der Umwelt, auf der Haut und auch im menschlichen Körper. Die meisten sind harmlos oder sogar Teil einer gesunden Mikroflora. Unter bestimmten Bedingungen können sich jedoch krankmachende Pilze vermehren und Infektionen auslösen.
Zu den häufigsten Pilzinfektionen zählen:
- Fuß- und Nagelpilz
- Hautpilz (z. B. Tinea corporis)
- Candida-Infektionen (Haut, Schleimhäute, Vaginalbereich)
- Leistenpilz (Tinea cruris)
In den meisten Fällen sind diese Infektionen nicht lebensbedrohlich, können aber langwierig, rezidivierend und für Betroffene stark belastend sein (1). Schwerere Pilzinfektionen, die in den Blutkreislauf eindringen, sind seltener und erfordern zwingend eine medizinische Behandlung.
Klassische antimykotische Medikamente – wirksam, aber nicht immer gut verträglich
Die Standardtherapie von Pilzinfektionen erfolgt meist mit antimykotischen Wirkstoffen, die lokal (Cremes, Salben) oder systemisch (Tabletten) eingesetzt werden. Viele dieser Medikamente greifen gezielt die Zellmembran der Pilze an – insbesondere das dort enthaltene Ergosterol, das für die Stabilität der Pilzzelle essenziell ist (2).
Trotz ihrer Wirksamkeit sind antimykotische Medikamente nicht frei von Nachteilen. Vor allem oral eingenommene Präparate können Nebenwirkungen verursachen (3), darunter:
- Magen-Darm-Beschwerden
- Hautreaktionen
- Müdigkeit oder Unwohlsein
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Diese Aspekte führen dazu, dass sich viele Betroffene für ergänzende oder alternative Ansätze interessieren – insbesondere bei wiederkehrenden oder milden Pilzinfektionen.
CBD und CBG bei Pilzinfektionen – was ist bekannt?
Cannabinoide wie CBD und CBG sind pflanzliche Inhaltsstoffe der Hanfpflanze, die mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS) interagieren. Dieses System spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungsprozessen, Immunreaktionen und der Hautgesundheit.
Darüber hinaus gibt es präklinische Studien, die darauf hindeuten, dass bestimmte Cannabinoide antimykotische Eigenschaften besitzen könnten. Eine häufig zitierte Untersuchung berichtete, dass Cannabinoide wie CBD, CBG und CBC in Laborversuchen das Wachstum verschiedener Pilzarten hemmen konnten (4).
Wichtig ist dabei die Einordnung:
- Die meisten Erkenntnisse stammen aus In-vitro-Studien (Zell- und Laborversuche).
- Klinische Studien am Menschen sind bislang begrenzt.
- CBD und CBG sind derzeit nicht mit klassischen Antimykotika gleichzusetzen.
Dennoch deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Cannabinoide wissenschaftlich relevantes Potenzial besitzen.
Die Rolle von Terpenen: Mehr als nur Duftstoffe
Neben Cannabinoiden enthalten Vollspektrum-Hanfextrakte auch Terpene – aromatische Pflanzenstoffe mit eigenen biologischen Eigenschaften. Einige Terpene, die auch in Hanf vorkommen, werden ebenfalls auf ihre antimykotischen Effekte untersucht.
Besonders relevant sind:
- α-Pinen
- β-Caryophyllen
- Δ-3-Careen
Studien deuten darauf hin, dass insbesondere β-Caryophyllen in Laborversuchen innerhalb weniger Stunden eine hemmende Wirkung auf bestimmte Pilzarten zeigen konnte (5). Diese Erkenntnisse stützen die Annahme, dass Vollspektrum-Produkte durch den sogenannten Entourage-Effekt ein breiteres Wirkungsspektrum entfalten könnten als isolierte Einzelstoffe.
Welche CBD- oder CBG-Produkte kommen infrage?
Welche Produktform sinnvoll sein kann, hängt stark von der Art der Pilzinfektion ab:
Haut- oder Fußpilz: Topische CBD-Kosmetik wie Cremes, Salben oder Öle zur äußerlichen Anwendung
Unterstützend von innen: Vollspektrum-CBD oder CBG-Öl zur begleitenden Einnahme
CBG-Öl als Alternative:
Aufgrund seiner ausgeprägten antimikrobiellen Eigenschaften wird CBG zunehmend als besonders interessanter Kandidat erforscht.
Viele Anwender berichten subjektiv von guten Erfahrungen mit einer Kombination aus äußerlicher Anwendung und innerer Unterstützung (6). Wissenschaftlich gesichert sind diese Erfahrungswerte jedoch bislang nicht.
Fazit: CBD und CBG bei Pilzinfektionen – vielversprechend, aber kein Ersatz für eine Therapie
CBD- und CBG-Öl zeigen in präklinischen Studien antimykotische und entzündungshemmende Eigenschaften, die sie zu interessanten Forschungsobjekten bei Pilzinfektionen machen. Besonders in Kombination mit Terpenen aus Vollspektrum-Extrakten könnten sich synergistische Effekte ergeben.
Gleichzeitig gilt:
- Die Studienlage beim Menschen ist noch begrenzt.
- CBD und CBG sind keine zugelassenen Medikamente gegen Pilzinfektionen.
- Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich.
Als begleitender Ansatz oder bei milden Hautproblemen könnten Hanfprodukte jedoch eine ergänzende Option darstellen – insbesondere für Menschen, die gut verträgliche Alternativen suchen.
Häufig gestellte Fragen
Hilft CBD bei Pilzinfektionen?
Es gibt präklinische Hinweise auf antimykotische Eigenschaften von CBD, klinische Belege beim Menschen sind jedoch begrenzt. CBD kann daher nicht als gesicherte Therapie gelten.
Ist CBD stark entzündungshemmend?
CBD wird in zahlreichen Studien mit entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht, insbesondere durch seine Wirkung auf Immun- und Entzündungsprozesse.
Quellen
1. Brown, G. D., Denning, D. W., Gow, N. A. R., Levitz, S. M., Netea, M. G., & White, T. C. (2012). Hidden killers: Human fungal infections. Science Translational Medicine, 4(165), 165rv13. https://doi.org/10.1126/scitranslmed.3004404
2. Odds, F. C., Brown, A. J. P., & Gow, N. A. R. (2003). Antifungal agents: Mechanisms of action. Trends in Microbiology, 11(6), 272–279. https://doi.org/10.1016/S0966-842X(03)00117-3
3. Lewis, R. E. (2011). Current concepts in antifungal pharmacology. Mayo Clinic Proceedings, 86(8), 805–817. https://doi.org/10.4065/mcp.2011.0247
4. Appendino, G., Gibbons, S., Giana, A., Pagani, A., Grassi, G., Stavri, M., Smith, E., & Rahman, M. M. (2008). Antibacterial cannabinoids from Cannabis sativa: A structure–activity study. Journal of Natural Products, 71(8), 1427–1430. https://doi.org/10.1021/np8002673
5. Pattnaik, S., Subramanyam, V. R., & Kole, C. R. (1997). Antibacterial and antifungal activity of ten essential oils in vitro. Microbios, 89(358), 39–46.
6. Burstein, S. (2015). Cannabidiol (CBD) and its analogs: A review of their effects on inflammation. Bioorganic & Medicinal Chemistry, 23(7), 1377–1385. https://doi.org/10.1016/j.bmc.2015.01.059