CBD in children with epilepsy: Opportunities, risks and what research shows

CBD bei Kindern mit Epilepsie: Chancen, Risiken und was die Forschung zeigt

January 07, 2026Marieke van Haaster

Epilepsie im Kindesalter ist eine chronische Erkrankung, die nicht nur das betroffene Kind, sondern das gesamte Familienleben beeinflusst (1). Wiederkehrende Anfälle, eingeschränkte Alltagsgestaltung und die psychische Belastung durch unvorhersehbare Krankheitsverläufe stellen Familien oft vor enorme Herausforderungen. Besonders schwierig wird es, wenn Medikamente, die eigentlich helfen sollen, ihre Wirkung verlieren oder starke Nebenwirkungen verursachen. In solchen Fällen rückt ein Wirkstoff zunehmend in den Fokus: Cannabidiol (CBD).

CBD ist ein Bestandteil der Cannabispflanze, der – anders als THC – keine berauschende Wirkung hat. Eltern und Ärzte interessieren sich zunehmend für seinen möglichen Nutzen bei therapieresistenter Epilepsie, also Formen, die auf klassische Medikamente nicht ausreichend ansprechen. Doch was weiß man tatsächlich über die Wirkung, Sicherheit und wissenschaftliche Grundlage von CBD bei Epilepsie im Kindesalter?

Epilepsie im Kindesalter – eine komplexe Herausforderung

Epilepsie gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Kindern. Die Ursachen sind vielfältig: genetische Faktoren, Stoffwechselstörungen oder strukturelle Veränderungen im Gehirn. Besonders problematisch sind seltene Syndrome wie das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom oder die Tuberöse Sklerose. Diese Formen sind oft schwer behandelbar und zeichnen sich durch häufige, teils sehr lange Anfälle aus (2).

Viele Kinder nehmen mehrere Antiepileptika gleichzeitig ein, was zu Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit oder erhöhten Leberwerten führen kann. In dieser Situation suchen Familien verständlicherweise nach ergänzenden Therapieoptionen, die die Anfallsfrequenz verringern, ohne zusätzliche Belastungen zu verursachen.

CBD als ergänzende Option – kein Ersatz, sondern Unterstützung

CBD (Cannabidiol) ist ein pflanzlicher Wirkstoff aus der Hanfpflanze, der nicht psychoaktiv wirkt und damit keine Rauscherlebnisse hervorruft. Es wird nicht als Ersatz, sondern ergänzend zur Standardtherapie eingesetzt – beispielsweise neben bewährten Medikamenten wie Valproinsäure oder Clobazam. Die Idee: CBD könnte die neuronale Erregbarkeit stabilisieren und dadurch helfen, die Zahl und Schwere epileptischer Anfälle zu reduzieren.

Wichtig ist, dass CBD immer unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt wird. Frei verkäufliche CBD-Öle aus Drogerien oder Online-Shops sind keine geprüften Arzneimittel, unterscheiden sich stark in ihrer Zusammensetzung und sollten bei Kindern nicht ohne medizinische Begleitung verwendet werden.

Was sagen die Studien? – Die wissenschaftliche Lage

Die Wirksamkeit von CBD bei Epilepsie im Kindesalter gilt heute als gut belegt. Besonders bei therapieresistenten Formen zeigen mehrere groß angelegte Studien, dass CBD die Anfallshäufigkeit deutlich reduzieren kann. Grundlage ist das standardisierte und zugelassene Arzneimittel Epidiolex (in Europa: Epidyolex).

Dravet-Syndrom: Deutliche Reduktion der Anfälle

  • Studienaufbau: 120 Kinder und Jugendliche, Behandlungsdauer 14 Wochen
  • Dosierung: 20 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht täglich
  • Ergebnisse:
    • Reduktion der Anfallshäufigkeit von 12,4 auf 5,9 pro Monat
    • Placebo-Gruppe: nahezu keine Veränderung
    • 5 % der Kinder wurden während der Studie anfallsfrei
  • Bedeutung: CBD zeigte in dieser Studie eine klinisch relevante Wirkung bei einer der schwierigsten Epilepsieformen im Kindesalter. (3)

Lennox-Gastaut-Syndrom: Verbesserte Kontrolle bei komplexer Epilepsie

  • Teilnehmende: 171 Patienten
  • Behandlung: 20 mg/kg CBD täglich, zusätzlich zur Standardtherapie
  • Ergebnisse:
    • Anfallsreduktion um durchschnittlich 43,9 %
    • Placebo-Gruppe: nur 21,8 %
    • Eltern berichteten von mehr Wachheit und allgemeinem Wohlbefinden ihrer Kinder
  • Fazit: Auch bei dieser schwer behandelbaren Form konnte CBD eine spürbare Verbesserung erzielen. (4)

Tuberöse Sklerose: Gute Wirksamkeit bei besserer Verträglichkeit

  • Studienumfang: 224 Kinder und Erwachsene
  • Vergleich: zwei Dosierungen – 25 mg/kg und 50 mg/kg
  • Ergebnisse:
    • Beide Gruppen: rund 48 % Reduktion der Anfallshäufigkeit
    • Niedrigere Dosis zeigte bessere Verträglichkeit
  • Schlussfolgerung: Für viele Kinder reicht eine moderate Dosis, um die gewünschte Wirkung zu erzielen – ein wichtiger Hinweis für die klinische Praxis. (5)

Zusammenfassung

Die bisherigen Studien zeigen deutlich:

  • CBD kann Anfälle signifikant reduzieren, insbesondere bei Dravet-, Lennox-Gastaut-Syndrom und Tuberöser Sklerose.
  • Die Dosierung spielt eine zentrale Rolle für die Wirksamkeit und Verträglichkeit.
  • CBD ist kein Wundermittel, aber eine evidenzbasierte Ergänzung, wenn herkömmliche Therapien an ihre Grenzen stoßen.

Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen

Wie jedes wirksame Medikament ist auch CBD nicht frei von Nebenwirkungen. Die häufigsten sind Schläfrigkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit und erhöhte Leberwerte (6). In den Studien traten diese Effekte vor allem bei höheren Dosierungen auf, waren aber meist mild bis moderat und verschwanden nach Anpassung der Dosis oder kurzer Zeit wieder.

Besonders wichtig ist das medizinische Monitoring: Kinder, die CBD erhalten, sollten regelmäßig ärztlich kontrolliert werden – insbesondere hinsichtlich ihrer Leberfunktion und eventueller Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Denn CBD kann bestimmte Enzyme beeinflussen, die für den Abbau anderer Wirkstoffe zuständig sind.

Wie wirkt CBD bei Epilepsie?

Die genauen Wirkmechanismen von CBD werden weiterhin erforscht. Bekannt ist jedoch, dass es auf verschiedene Systeme im Gehirn wirkt:

  • Es beeinflusst das Endocannabinoid-System, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung der neuronalen Erregbarkeit spielt (6).
  • Es blockiert bestimmte Rezeptoren (z. B. GPR55), die an der Entstehung epileptischer Aktivität beteiligt sind.
  • Es moduliert GABA- und Glycinrezeptoren, die hemmend auf das Nervensystem wirken und dadurch übermäßige Erregung reduzieren können.
  • Darüber hinaus besitzt CBD entzündungshemmende und neuroprotektive Eigenschaften, die möglicherweise zum Schutz der Nervenzellen beitragen.

Diese multifaktorielle Wirkweise erklärt, warum CBD in der Lage ist, bei komplexen neurologischen Störungen wie Epilepsie eine Rolle zu spielen – auch wenn viele Details der molekularen Prozesse noch unklar sind.

Zulassung und rechtlicher Rahmen

Das Medikament Epidiolex (in Europa Epidyolex) ist mittlerweile in mehreren Ländern zugelassen – und zwar speziell für Kinder ab zwei Jahren mit Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom oder Tuberöser Sklerose. Es wird nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt und unterliegt strengen Qualitätskontrollen (8).

Frei verkäufliche CBD-Öle aus Hanfextrakten sind dagegen nicht zur Behandlung von Epilepsie zugelassen. Ihre Konzentration, Reinheit und Zusammensetzung variieren stark, und sie können in Einzelfällen sogar Spuren von THC enthalten. Daher sollten Eltern niemals versuchen, ein medizinisches Präparat durch solche Produkte zu ersetzen.

Was sagen Fachleute?

Medizinische Fachgesellschaften sehen in CBD eine vielversprechende Ergänzung zur bestehenden Therapie, betonen aber, dass die Anwendung nur in klar definierten Fällen erfolgen sollte. Für Kinder mit leichten Epilepsieformen oder ohne gesicherte Indikation raten Experten von einer eigenständigen Anwendung ab.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass es bislang keine Langzeitdaten zur Gehirnentwicklung unter CBD gibt (9). Daher ist eine ärztliche Begleitung und sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung unverzichtbar.

Fazit: Evidenzbasiert, aber nicht risikofrei

CBD hat in den letzten Jahren einen wichtigen Platz in der Behandlung bestimmter Epilepsieformen gefunden. Die Studienlage ist solide: Bei Erkrankungen wie dem Dravet- oder Lennox-Gastaut-Syndrom sowie der Tuberösen Sklerose konnte eine deutliche Reduktion der Anfälle nachgewiesen werden.

Die Nebenwirkungen sind im Vergleich zu vielen anderen Medikamenten meist mild, dennoch braucht jede Anwendung ärztliche Überwachung. Frei verkäufliches CBD-Öl ist kein Ersatz für medizinische Präparate wie Epidyolex.

Kurz gesagt: CBD kann eine wertvolle Ergänzung sein – aber nur dort, wo Wissenschaft, Sicherheit und medizinische Begleitung Hand in Hand gehen.

Quellen

  1. UMC Utrecht Hersencentrum (2023). Medicinale cannabis (CBD) tegen kinderepilepsie. https://www.umcutrecht.nl/nieuws/medicinale-cannabis-cbd-tegen-kinderepilepsie
  2. Charité Universitätsmedizin Berlin (2023). Epilepsie im Kindesalter und ihre Herausforderungen. https://epilepsie.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc17/Kinderheilkunde/neuropaediatrie/Infomaterial/Epilepsieheft_F%C3%BCr_Eltern_13Nov2023.pdf
  3. Devinsky O, Cross JH, Laux L, et al. Trial of cannabidiol for drug-resistant seizures in the Dravet syndrome. New England Journal of Medicine. 2017;376(21):2011–2020. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1611618
  4. Thiele EA, et al. Cannabidiol in patients with seizures associated with Lennox-Gastaut syndrome. N Engl J Med. 2018;378(20):1888-1897. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1714631
  5. Thiele EA, Marsh ED, French JA, et al. Add-on cannabidiol treatment for drug-resistant seizures in patients with tuberous sclerosis complex: A randomized, double-blind, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet. 2020;396(10245):1998-2008. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32379-2
  6. Iffland K, Grotenhermen F. An update on safety and side effects of cannabidiol. Cannabis and Cannabinoid Research. 2017;2(1):139-154. https://doi.org/10.1089/can.2016.0034
  7. Rosenberg EC, et al. Cannabinoids and epilepsy. Neurotherapeutics. 2015;12(4):747-768. https://doi.org/10.1007/s13311-015-0386-1
  8. U.S. Food and Drug Administration (FDA) (2018). FDA approves first drug comprised of an active ingredient derived from marijuana to treat rare, severe forms of epilepsy. https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-first-drug-comprised-active-ingredient-derived-marijuana-treat-rare-severe-forms
  9. Epilepsie Deutschland e.V. (2020). Cannabis-Präparate in der Epilepsiebehandlung: Therapie, Forschung und Praxis. https://www.epilepsie-vereinigung.de/wp-content/uploads/2020/01/Cannabis-Präparate-in-der-Epilepsiebehandlung.pdf
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Marieke van Haaster

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Marieke van Haaster, MSc ist eine Gesundheitswissenschaftlerin mit mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Cannabisforschung. Sie war unter anderem als Leiterin der Forschung und Entwicklung tätig. bei MariPharm und führte klinische Studien für verschiedene Pharmaunternehmen durch
Unternehmen. Seit 2022 ist sie unabhängige Forscherin und Beraterin im Bereich Cannabis und Cannabinoide. Für Dutch Natural Healing-Aktien
Sie liefern wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die Funktionsweise und Anwendung von Cannabisprodukten.

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