Viele wissen nicht, dass unser Körper selbst Cannabinoide produziert – sogenannte Endocannabinoide. Diese körpereigenen Substanzen spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und beim Wohlbefinden des Menschen – bereits ab der Schwangerschaft und auch nach der Geburt (1).
Doch was bedeutet das für CBD in der Stillzeit? Ist es sicher, während des Stillens CBD Öl oder andere Produkte zu verwenden? Und welche Rolle spielen Cannabinoide natürlicherweise in der Muttermilch?
Dieser Artikel fasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand zusammen und erklärt, warum Vorsicht geboten ist.
Das Endocannabinoid-System und Muttermilch
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Körpers. Es besteht aus Rezeptoren (CB1 und CB2), körpereigenen Cannabinoiden (Endocannabinoiden) und Enzymen, die diese Substanzen abbauen.
Dieses System hilft dabei, wichtige Funktionen zu regulieren – darunter Schlaf, Appetit, Stimmung und Schmerzempfinden.
Forscher haben herausgefunden, dass das ECS auch bei der Entwicklung von Neugeborenen eine entscheidende Rolle spielt.
Eine im European Journal of Pharmacology (2004) veröffentlichte Studie zeigte, dass CB1-Rezeptoren bereits im Mutterleib entstehen (2). Diese Rezeptoren sind also von Beginn an aktiv – auch beim Stillen.
Natürliche Cannabinoide in der Muttermilch
Tatsächlich enthält Muttermilch natürliche Endocannabinoide, also körpereigene Cannabinoide, die wichtig für die frühkindliche Entwicklung sind (3).
Sie helfen dem Neugeborenen, den Appetit zu regulieren und den Saugreflex zu aktivieren – ein essenzieller Prozess, um Nahrung aufzunehmen und zu überleben.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Endocannabinoide in der Muttermilch Nervenzellen schützen und die Entwicklung des Gehirns unterstützen.
Diese Prozesse sind völlig natürlich und zeigen, wie eng das Endocannabinoid-System mit Wachstum und Entwicklung verknüpft ist.
Was passiert, wenn CBD während der Stillzeit verwendet wird?
Hier liegt der kritische Punkt: CBD Produkte enthalten Cannabidiol, einen pflanzlichen Wirkstoff, der ebenfalls mit den CB1- und CB2-Rezeptoren des Körpers interagiert.
Obwohl CBD im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv ist, kann es theoretisch Einfluss auf das empfindliche Gleichgewicht des Endocannabinoid-Systems eines Babys nehmen (4).
Studien zeigen, dass Cannabinoide fettlöslich sind und sich daher leicht im Fett der Muttermilch anreichern können (5).
Das bedeutet: Wenn eine stillende Mutter CBD konsumiert, kann der Wirkstoff in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen – und somit vom Säugling aufgenommen werden.
Bislang gibt es jedoch keine belastbaren Studien, die klären, welche Auswirkungen dies langfristig auf die kindliche Entwicklung hat.
Aus diesem Grund raten Ärzte und Fachgesellschaften, während der Stillzeit auf CBD zu verzichten, um jedes potenzielle Risiko zu vermeiden (6).
Warum ist Vorsicht bei CBD in der Stillzeit so wichtig?
Die Forschung zu CBD in der Stillzeit steckt noch in den Anfängen.
Während einige Studien die Existenz von Endocannabinoiden in der Muttermilch bestätigen, fehlen Untersuchungen, die gezielt den Einfluss von extern zugeführtem CBD auf Mutter und Kind bewerten (7).
Das bedeutet: Auch wenn CBD allgemein als gut verträglich gilt, ist nicht ausgeschlossen, dass es bei Säuglingen unbekannte Effekte auf Gehirn, Immunsystem oder Nervenentwicklung haben könnte.
Daher gilt der medizinische Grundsatz: „Wenn es keine gesicherten Daten zur Sicherheit gibt, ist Zurückhaltung die beste Wahl.“
Kein CBD in der Stillzeit ohne ärztliche Rücksprache
Auch wenn CBD Produkte in anderen Lebenssituationen als sicher gelten, fehlen wissenschaftlich fundierte Daten über die Auswirkungen auf Säuglinge und stillende Mütter.
Da CBD in die Muttermilch übergehen kann und seine Effekte auf Neugeborene nicht bekannt sind, raten Fachgesellschaften dazu, während der Stillzeit kein CBD zu verwenden.
Wer unter Stress, Schlafproblemen oder Verspannungen leidet, sollte sich an Arzt oder Hebamme wenden, um sichere Alternativen zu besprechen.
Im Sinne der Gesundheit von Mutter und Kind gilt: lieber vorsichtig sein – und auf geprüfte, medizinisch empfohlene Wege zur Entspannung setzen.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange bleibt CBD in Muttermilch?
CBD ist fettlöslich und kann sich im Körperfett und in der Muttermilch anreichern. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Cannabinoide bis zu mehreren Tagen in der Milch nachweisbar sein können – abhängig von Dosierung, Häufigkeit und individueller Stoffwechselgeschwindigkeit. Da hierzu keine gesicherten Daten vorliegen, raten Experten während der Stillzeit vom CBD-Konsum ab.
Wie wirkt sich CBD auf die Muttermilch aus?
CBD kann theoretisch über den Blutkreislauf in die Muttermilch übergehen. Da Muttermilch einen hohen Fettgehalt hat, bindet sich CBD leicht an die Fettmoleküle. Ob und in welchem Ausmaß dies die Zusammensetzung der Milch oder die Entwicklung des Kindes beeinflusst, ist bislang nicht wissenschaftlich belegt. Bis klare Studien vorliegen, sollte daher auf CBD in der Stillzeit verzichtet werden.
Quellen
- Maccarrone, , et al. (2014). The Endocannabinoid System and its Role in Reproduction: A Focus on Pregnancy. Progress in Lipid Research, 53, 419–430. https://doi.org/10.1016/j.plipres.2014.07.004
- Fride, E. (2004). The endocannabinoid-CB(1) receptor system in pre- and postnatal European Journal of Pharmacology, 500(1-3), 289-297. https://doi.org/10.1016/j.ejphar.2004.07.033
- Fride, , et al. (2009). Endocannabinoids and the regulatory function of milk. Chemistry and Physics of Lipids, 160(1), 79-87. https://doi.org/10.1016/j.chemphyslip.2008.12.012
- Ritchie, , et al. (2020). Prenatal cannabinoid exposure impairs early development in mice. eBioMedicine, 62, 103114. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.103114
- Holder, , et al. (2024). THC and CBD in breast milk of breastfeeding mothers: A recent observational study. Breastfeeding Medicine, 19(3), 172-179. https://doi.org/10.1089/bfm.2024.0021
- Swissmedic & World Health (2018). Cannabidiol (CBD) Pre-Review Report. https://cdn.who.int/media/docs/default-source/controlled-substances/cannabidiol
- Deutsches Ärzteblatt. (2023). CBD in Schwangerschaft und Stillzeit: Medizinische Fachgesellschaften Deutsches Ärzteblatt. https://www.aerzteblatt.de/archiv/doi/10.3238/arztebl.m2023.0192